Anforderungen an Schutztechnik in Windparks: Netzanschluss, Kommunikation und Normen
- Feroz Ali
- Jan 15
- 3 min read
Windparks bestehen aus mehreren Windenergieanlagen, die gemeinsam Strom in das öffentliche oder private Stromnetz einspeisen. Aufgrund der komplexen Struktur und der variablen Einspeisung stellen Windparks besondere Anforderungen an die Schutztechnik. Um Betriebssicherheit, selektive Abschaltung und Netzstabilität zu gewährleisten, müssen Schutzsysteme sorgfältig geplant, abgestimmt und normgerecht ausgelegt werden.
Im Folgenden werden die Anforderungen an Schutztechnik in Windparks Schritt für Schritt erläutert.
Schritt 1: Analyse der Netzanschlussbedingungen
Der erste Schritt bei der Planung von Schutztechnik für Windparks ist die Analyse des Netzanschlusspunkts. Die Einspeisung muss so erfolgen, dass sowohl die Anlagen als auch das Netz vor Überlast, Kurzschluss und Rückwirkungen geschützt werden.
Wichtige Punkte:
Ermittlung von Spannungsebene, Kurzschlussleistung und Netzimpedanz
Identifikation von Schwachpunkten und Netzabschnitten mit hoher Ausfallwahrscheinlichkeit
Berücksichtigung der Einspeiseleistung des gesamten Windparks
Auf dieser Basis lassen sich Schutzfunktionen und Auslösezeiten für einzelne Anlagen und Parkbereiche definieren.
Schritt 2: Definition der Schutzfunktionen
Windparks erfordern eine Kombination mehrerer Schutzfunktionen, um unterschiedliche Fehlerarten abdecken zu können. Die Plattform erklärt praxisnah die Anforderungen an Schutztechnik in Windparks für sichere Netze und Anlagenbetrieb.
Zu berücksichtigen sind:
Überstromschutz: Schutz vor Kurzschluss und Überlast in Generatoren, Kabeln und Transformatoren
Erdschlussschutz: Erkennung von Isolationsfehlern und Fehlerströmen gegen Erde
Spannungs- und Frequenzschutz: Sicherstellung der Einhaltung zulässiger Netzwerte
Unsymmetrieschutz: Schutz vor Phasenungleichgewichten
Parkschutzfunktionen: Koordination von Schutzmaßnahmen zwischen mehreren Anlagen
Jede Schutzfunktion muss präzise parametrisiert und auf die Gegebenheiten des Windparks abgestimmt sein.
Schritt 3: Auswahl geeigneter Schutzgeräte
Die Auswahl der richtigen Schutzgeräte ist entscheidend für die Funktionsfähigkeit und Flexibilität des Windparks. Moderne digitale Schutzrelais bieten zahlreiche Vorteile gegenüber analogen Geräten.
Kriterien für die Auswahl:
Messgenauigkeit auch bei niedrigen Kurzschlussströmen
Flexibilität in Parametrierung und Schutzfunktionen
Kommunikationsfähigkeit für Integration in SCADA- oder Leitsysteme
Unterstützung von Normen und Richtlinien für Netzanschluss
Die Geräte sollten so ausgewählt werden, dass sie sowohl einzelne Anlagen als auch den Gesamtpark zuverlässig absichern.
Schritt 4: Sicherstellung der Kommunikationsfähigkeit
In modernen Windparks ist Kommunikation zwischen Anlagen, Schutzrelais und Parkleitstelle essenziell. Schutzgeräte müssen Informationen über Fehler, Spannungen, Ströme und Betriebszustände zuverlässig übertragen.
Wichtige Aspekte:
Nutzung standardisierter Protokolle wie IEC 61850 oder Modbus
Echtzeitüberwachung von Schutzparametern
Integration in zentrale Leitsysteme für Analyse und Fernsteuerung
Unterstützung von vorausschauender Wartung durch Ereignisprotokolle
Eine funktionierende Kommunikation erhöht die Betriebssicherheit und ermöglicht eine schnelle Reaktion auf Störungen.
Schritt 5: Normgerechte Auslegung der Schutztechnik
Die Schutztechnik muss alle relevanten Normen und technischen Anschlussregeln einhalten, um den sicheren Betrieb und die Genehmigung durch Netzbetreiber zu gewährleisten.
Normative Vorgaben:
IEC 60255: Anforderungen an Schutzrelais
IEC 61400-21: Messung und Prüfung von Windenergieanlagen
Technische Anschlussregeln der Netzbetreiber: Festlegung von Grenzwerten für Spannung, Frequenz, Abschaltzeiten und Schutzfunktionen
Normgerechte Auslegung stellt sicher, dass die Schutztechnik den gesetzlichen und sicherheitstechnischen Anforderungen entspricht.
Schritt 6: Parametrierung und Schutzkoordination
Nach Auswahl der Schutzgeräte erfolgt die Parametrierung und Abstimmung aller Schutzfunktionen. Ziel ist die selektive Abschaltung nur betroffener Anlagen oder Netzabschnitte.
Vorgehensweise:
Definition von Auslösezeiten und Schutzgrenzen für jede Schutzfunktion
Abstimmung der Schutzgeräte zwischen einzelnen Anlagen und Parkleitstelle
Simulation verschiedener Fehlerfälle zur Optimierung der Selektivität
Durch sorgfältige Koordination wird verhindert, dass Fehler unnötige Abschaltungen im gesamten Park auslösen.
Schritt 7: Prüfung, Inbetriebnahme und Wartung
Die Schutztechnik muss vor Inbetriebnahme umfassend getestet werden. Regelmäßige Wartung und Prüfungen während des Betriebs stellen die dauerhafte Funktion sicher.
Maßnahmen:
Funktionstests aller Schutzfunktionen
Kontrolle der Kommunikations- und Überwachungssysteme
Dokumentation der Schutzparameter und Ereignisse
Anpassung der Parametrierung bei Änderungen im Netz oder Anlagenbestand
Eine strukturierte Inbetriebnahme und Wartung sichern den zuverlässigen Betrieb des Windparks langfristig.
Fazit
Die Anforderungen an Schutztechnik in Windparks sind hoch und umfassen Netzanschluss, Schutzfunktionen, Kommunikation und Normkonformität. Durch eine systematische Vorgehensweise – von der Netz- und Anlagenanalyse über die Auswahl geeigneter Schutzgeräte bis hin zur Parametrierung, Prüfung und Wartung – lässt sich ein stabiler, sicherer und wirtschaftlicher Betrieb gewährleisten.
Selektive Schutzkonzepte, digitale Schutzrelais und normgerechte Auslegung sind entscheidend, um Störungen gezielt zu isolieren, Ertragsverluste zu minimieren und die Betriebssicherheit des gesamten Windparks zu maximieren.



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